Diskurstheorie

Was passiert, wenn Personen sich miteinander verständigen? Die einfachste Antwort lautet: Sie teilen einander etwas mit, verfolgen damit bestimmte Absichten, die mit bestimmten Einstellungen, Überzeugungen, Kenntnissen und Erfahrungen zusammennhängen. Sie tun das, indem sie sich in einer bestimmten Art und Weise sprachlich äußern; ausgehend von der Vorsstellung, dass man ja durchweg ein nd dieselbe Sprache spreche. Und, auch das, durchweg in der Annahme, dass zwischenmenschliche Kommmunikation so ähnlich funktioniere wie der nachrichtentechnische Informationsaustausch: hier der Sender, der seine Botschaft codiert, dort der Empfänger, der sie decodiert; zwischen beiden das Medium und sein Code. Sprachliche Kommunikation ist gelungen, wenn die Eins-zu-eins-Übertragung der Mitteilung gelingt. So scheint es.

Doch jede noch so schlichte Beobachtung alltäglicher Dialoge zeigt, dass da nahezu alles nicht wirklich stimmen kann. Sprachliche Kommunikation ist ein Prozess wechselseitiger Interpretation, die Sprache ist kein Mittel der Abbildung sondern ein Medum des Ausdrucks unserer Gedanken. Sprachliche Kommunikation gelingt dann, wenn sie mein Verständnis der Welt, der anderen und meiner selbst fördert. Woher man das zu wissen meint? Es zeigt sich, soald man sich konkret mit den Prozessen, den Bedingungen und den Folgen sprachlicher Verständigung und sprachlichen Verstehens beschäftigt. Dann kommen andere, nämlich verstehenstheoretische Überlegungen ins Spiel: das Verstehen des Verstehens hat eine andere wissenschaftliche Praxis und Konzeptbildung zur Folge.

Exemplarisch, in dieser Hinsicht, die sprachanalytisch motivierte Diskurstheorie der Sprache und des Denkens von Robert B. Brandom (prägnant skizziert etwa in Brandom 2008, online). Was, so seine Überlegung, was tun wir, wenn wir uns sprachlich artikulieren; und was tun wir, wenn wir uns davon einen angemessenen Begriff zu machen versuchen? Welches Konzept der Sprache, des Sprachverstehens und der Sprachanalyse zeichnet sich dabei ab? Brandoms begriffliche Operationen und Kategorien, schematisch dargestellt und kommentiert:

Brandom

Brandoms Problem: Wie können wir ein besseres Verständnis unseres Verstehens des Verstehens und Denkens erreichen? Wohl nur so, dass wir darauf achten, was wir tun, wenn wir sprachliche Verständigung und sprachliches Verstehen beschreiben., indem wir uns eines begrifflichen Vokabulars bedienen. Wie, beispielsweise denken wir über sprachliche Kommunikation, und wie über ihre Analyse? Wie unterscheiden wir zwischen der Form, dem Gehalt und der Intention eines sprachlichen Ausdrucks? Mit welchem Begriff des Verstehens operieren wir, wenn wir zu beobachten meinen, verstanden zu haben, wie die eine Person die andere verstanden hat? Wie verfahren wir denn überhaupt, wenn wir ausdrücklich darstellen wollen, was beide Personen einander zu verstehen geben wollten; und worin besteht dieses Making Explicit des Interpreten oder des Analytikers? Es isr, so Brandom, nichts anders als eine Explikation dessen, was Personen einander sprachlich zu verstehen geben. Sprachliche Äußerungen, so in etwa Brandom, sind nichts anderes als symbolische Handlungen. Handlungen, die in einer bestimmten Einstellung, mit einer bestimmten Intention, einen bestimmten gedanklichen Gehalt artikulierend, bestimmte Selbstverständlichkeiten voraussetzend oder nahelegend vollzogen werden. Wie man zeigt, dass es so ist? Man verfahre und denke strikt sprachanalytisch; bei der Interpretation alltagssprachlicher Dialoge wie bei der Kritik wissenschaftssprachlicher Argumentationen. Und genau so erschließen sich auch die Implikationen und Konsequenen der begrifflichen Praxis der Wissenschaften, etwa der Kognitionsforschung, der Evolutionstheoire usf. Ist das plausibel? Brandoms sprachanalytischer Pragmatismus intendiert eine konstruktive Kritik des impliziten verstehenstheoretischen Bezugsrahmens der Cognitive Sciences. Deren operationale Konstrukte und theoretische Konzepte sind begriffsgeschichtlich und begriffstheoretisch durchaus kritisch zu diskutieren. (Zum Beispiel mit Bezug auf die ausgezeichnte Darstellung des state of the art der CS von Shapiro2011.)

Die sprachanalytische Verstehenstheorie, der sprachtheoretische Inferentialismus (Brandom 2000) wird auch zu einer Kritik der Theorie, der Methodik und der Empirie der Sprachdiagnostik beitragen können. Die psycholinguistischen Konstrukte des Sprachverständnisses, des Sprachbewusstseins und der Sprachfähgkeit sind der geeignte Gegenstand. Das zeigt ja schon das erste Fallbeispiel.

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