Diagnostische Empirie: Sprachstandsfeststellungen

Die diagnostische Empirie als Problem der Diagnose der Diagnostik; exemplarischDelfin4 (NRW. Die Grafik stellt eine systematische Rekonstruktion des begrifflichen Bezugsrahmens des Verfahrens in der Terminologie der Konstrukteure dar. Diese Terminologie ist typisch für eine sprachtheoretisch, sprachanalytisch und (auch das) sprachdidaktisch unangemessene Psycholinguistik. Die Konstruktion und Anwendung dieses Screenings operiert mit einem Mix von zeichen- und bewusstseinstheoretischen Anleihen bei einer Psychologie der Sprache, die dem aktuellen Forschungsstand keineswegs mehr enspricht. Die Stellungnahme zu Delfin4 (2009) im Rahmen einer Anhörung im Landtag Nordrhein-Westfalens führt Gründe für diese kritische Einschätzung an.

Eines der wesentlichen Probleme keineswegs nur dieses sprachdiagnostischen Verfahrens ist der Grammatikalismus. Sprachfäigkeit sei erst einmal nichts andere als grammatische Kompetenz, und die wiederum sei erst einmal syntaktisch, dann semantisch und schließlich pragmatisch zu definieren. Zum Beispiel sei die Fähigkeit, das Passiv zu verstehen, eine elemenare syntaktische Kompetenz, Voraussetzung für das Verständnis für das Verständnis grammatisch entsprechend strukturierter sprachlicher Äußerungen in konkreten Situationen. Eine diagnostisch folgenreiche Verwechselung von Aspekten der Sprachbeschreibung mit Dimensionen der Sprachfähigkeit: das Kind muss Passivsätze zu verstehen und zu gebrauchen gelernt haben, damit es ein Verständnis ihrer Form entwickeln kann. Syntax a first scheint für Psycholinguisten noch immer den sprachanalytischen und sprachdiagnostischen Imperativ zu bedeuten - wiewohl die Gründe für den Syntaktizismus linguistischer Theorie und Empirie längst in Frage gestellt sind (Schneider, Hans Julius 1992).

Der sprachdiagnostische Grammatikalismus (Kany, Werner/ Schöler, Hermann 2010), die Stilisierung grammatischer Kompetenz zur linguistischen Basiskompetenz, ist nicht nur sprach- sondern auch medientheoretisch prekär; und das nicht nur diagnostisch sondern auch prognostisch. Die Fiktion formalgrammatischer Kompetenz verleitet zu prognostischen Mutmaßungen, die angesichts der Komplexität der verbalen, literalen, medialen Erfahrungswelten der Kinder durch nichts zu rechtfertigen sind. Wenn Dreijährige jenes Was-Wäre-Wenn früher Kinderliteratur kennen gelernt haben, werden sie ein anderes Verständnis des KonjunktivII als jene Gleichaltrigen erkennen lassen, denen der Umgang mit Bildgeschichten noch fremd ist. Kurz - grammatikalistische Sprachtests werden in keiner Weise den komplexen Milieus kultureller Vererbung der Kinder gerecht.

... und Sprachfördermaßnahmen, die auf naiv-alltagstheoretische Konzepte kommunikativer Empathie setzen, bleiben weit hinter den Möglichkeiten der Sprachförderng zurück, die die wissenschaftliche Sprachdidaktik eröffnet. (Auch in dieser Hinsicht ist Delfin4 exemplarisch.)

Empirie

Problemfeld